Dreamscapes

Dreamscapes bringt anthropologische Suchtforschung auf die Bühne und in den öffentlichen Raum. Entstanden aus dem vom FWF geförderten Projekt Making Sense of Smartphone Addiction untersucht es, wie Sucht – ob nach Substanzen oder Technologien – nicht nur individuelle Brüche, sondern gesellschaftliche Realitäten widerspiegelt. Sucht wird dabei nicht ausschließlich als medizinisches oder psychologisches Phänomen verstanden, sondern als zutiefst menschliche Form, mit schwierigen Lebensumständen in zunehmend aufmerksamkeitsgetriebenen Umwelten umzugehen. Alkohol, Opioide, Glücksspiel und digitale Medien erscheinen als Teil komplexer sozialer und ökonomischer Gefüge – von der globalen Alkoholindustrie bis zu Datenextraktion und Aufmerksamkeitsökonomie.

Zugleich zeigt Dreamscapes, dass diese Umgebungen nicht nur zerstörerisch, sondern auch ambivalente Räume der Entlastung und Verbindung sind. Der Titel des Projekts verweist auf diese Doppelbedeutung: auf die traumähnlichen Zustände zwischen Eskapismus und Bewältigung, die Sucht häufig begleiten. Das Projekt lädt die Öffentlichkeit ein, Fragen jenseits von Diagnosen und Zahlen zu stellen: Was offenbart Sucht über unsere Gesellschaft? Warum sind manche Formen sichtbarer oder stärker stigmatisiert als andere? Und wie kann Empathie und Weitsicht – statt Verurteilung und Verboten – unsere gesellschaftliche Reaktion prägen?

Auf Grundlage ethnografischer Forschung in einer österreichischen Suchtklinik greift Dreamscapes auf reale Erfahrungen mit Rückfällen, Stigmatisierung und Resilienz zurück und zeigt, wie neue Formen digitaler Abhängigkeit bereits bestehende soziale Dynamiken fortschreiben. Durch Theater, Storytelling und partizipative Formate übersetzt Dreamscapes anthropologische Forschung in gelebte Erfahrung. Ein kollaborativ entwickeltes Theaterstück, eine Podcast-Reihe, digitale Installationen, Schulworkshops und ein öffentlicher Flashmob öffnen Räume der Reflexion und Begegnung – und verringern so die Distanz zwischen Wissenschaft und Publikum, zwischen „Patient:innen“ und „Nicht-Patient:innen“. Das Ziel ist nicht, endgültige Antworten oder Lösungen zu geben, sondern die aus der Forschung hervorgegangenen Fragen an die Öffentlichkeit zurückzuspielen. Durch die Schaffung von Räumen für Dialog, Verbindung und Imagination regt Dreamscapes dazu an, zu reflektieren, was Sucht im Zeitalter ständiger Vernetzung und unaufhörlichen Konsums bedeutet.

Team:
Suzana Jovicic (Projektleitung)
Sanderien Verstappen (Co-Projektleitung), Barbara Göbl (Co-Projektleitung)

Förderung: Das Projekt (1-12. 2026) ist an der Universität Wien angesiedelt und wird durch den Wissenschaftsfonds FWF finanziert (FWF Science Communication).